Capri 125 Super - Kupplung
Seit einiger Zeit arbeite ich sporadisch an meinem Agrati Capri 125 Super der zweiten Serie, um für diesen eine Zulassung in Deutschland zu bekommen. Da keine Papiere mehr zu dem Roller existieren, muss dieser durch eine Vollabnahme beim deutschen TÜV. Bei einigen Proberunden über den Hof ist mir aufgefallen, dass die Kupplung leider rutscht, und so bin ich der Sache einmal auf den Grund gegangen.
Um an die Kupplung zu gelangen, muss erst einmal der Kickstarterhebel sowie das in Fahrtrichtung rechte, kleine Trittbrettblech demontiert werden. Im Anschluss muss das Getriebeöl über die dafür vorgesehene Ablassschraube an der Unterseite des Motorgehäuses in Höhe des Getriebes abgelassen werden. Da der Capri-Motor davon reichlich enthält, sollte an einen großzügig dimensionierten Auffangbehälter gedacht werden.
Dann müssen die 17 Schlitzschrauben, die den Kupplungsdeckel halten, herausgeschraubt werden. Sollte eine der Schrauben zu fest im Gehäuse sitzen, empfehle ich für solche Fälle einen Schlagschrauber aus dem Motorradzubehör. Mit dem passenden Bit und einem Hammer lässt sich in der Regel die widerspenstige Schraube lösen, ohne den Schraubenkopf der Schlitzschraube zu beschädigen oder zu ruinieren.
Nimmt man den Kupplungsdeckel nun ab, kommt man sehr gut an die Kupplung mit den Belägen. Der Druck auf die Scheiben wird von sechs Federn aufgebaut, die in Hülsen liegen, welche wiederum per Spezialmutter gespannt und eingestellt werden. Bei der Demontage trat dann mein erstes Problem auf: Eine Feder verhakte sich mit der Spezialmutter, und das Ende der Feder wurde aufgespreizt. Nicht schön, aber mit etwas Sorgfalt wieder hinzubiegen.
Leider zogen sich bei der Demontage zwei Gewindestangen aus der Grundplatte der Kupplung. Diese ließen sich in beiden Fällen wirklich sehr leicht herausschrauben, sodass ich die anderen Gewindestangen mittels gekonterter Muttern überprüfte und schließlich vorsorglich alle Gewindestangen entfernte.
Diese sind ab Werk mechanisch per Keilschlag von hinten in der Kupplungsplatte verstemmt und gegen Losdrehen gesichert. Leider ist diese Lösung nicht sehr dauerhaft, sodass ich mich zum Verkleben der Gewindestangen mit moderner, flüssiger Schraubensicherung entschlossen habe. Ich hoffe, dass damit das Thema zukünftig erledigt ist. Vor dem Verkleben der Gewindestangen in der Kupplungsgrundplatte müssen die Gewinde sorgfältig von Öl- und Schmutzrückständen gereinigt werden. Dazu habe ich diese mit Bremsenreiniger und Druckluft vorbereitet und anschließend die Gewindestangen eingesetzt.
Da die Kupplungsscheiben nicht mehr neu zu bekommen sind und kein nennenswerter Verschleiß an den Belägen und Reibscheiben erkennbar war, habe ich diese zunächst weiterverwendet. Die Reibscheiben habe ich leicht aufgeraut, um die Haftung zu erhöhen. Mal sehen, ob dies in Verbindung mit einem anderen Getriebeöl eine Verbesserung beim Kupplungsschluss bringt.
Da der Motor ohnehin schon offen ist, kann man gleich auch die Antriebskette prüfen. In meinem Fall hat sich die Kette bereits sichtbar gelängt, sodass ich diese wohl zeitnah ersetzen muss. Das ist aber ein anderes Thema.
Update: Gestern die Kupplung wieder zusammengesetzt und montiert. Beim Zusammensetzen der Kupplungsbeläge fiel mir dann auf, dass der Vorbesitzer wohl eine Reibscheibe zu viel montiert hatte und somit Metall auf Metall rutschte. Ich hoffe, dass damit der Fehler gefunden ist und die Kupplung nun vernünftig arbeitet. Beim Zusammenbau konnte ich auch den Hersteller (?) der Kupplungsbeläge identifizieren. In die Korkbeläge ist ein Logo der Firma „Sureflex“ eingeprägt. Vielleicht hilft mir das beim Auffinden von Altbeständen weiter.
Eine Probefahrt werde ich aber erst wieder angehen, wenn es nicht mehr so nass und kalt auf dem Hof ist.